Es ist mal wieder so weit: Das Jahresgespräch mit dem/der ChefIn. Viele von Euch machen das vielleicht zum ersten mal, andere sind vielleicht “alte Hasen”. Wusstet Ihr daß das Jahresgespräch eine “Errungenschaft” der 70er Jahre ist, die vermutlich von unseren Eltern damals als Arbeitnehmer im “Arbeiterkampf” beim Arbeitgeber durchgesetzt wurde? Und heute kanns kaum einer leiden. Die meisten empfinden diese Gespräche als erzwungen, “künstlich” oder als Alibi-Gespräch. Zielerreichung, Meßbarkeiten, Kritik, Lob, Defizite, Vorgaben, Druck, Erleichterung, ein Potpourri an Emotionen und hierarchischen Auswüchsen.

Persönlich habe ich diese Gespräche immer als Druck empfunden, ob ich ein Jahresgespräch als Vorgesetzter oder als Mitarbeiter erlebt habe, unter die Lupe genommen zu werden hat nie Spass gemacht. Vielleicht lag es an mir, vielleicht auch an meinen Vorgesetzten. Der Hauptgrund aber lag sicher an meiner mangelnden Vorbereitung oder an dem mangelndem Verständnis am Zweck dieser zeitraubenden Veranstaltungen. Ich habe vor kurzem ein Gespräch mit einem Abteilungsleiter geführt der den immensen Zeitaufwand kritisierte: Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung, “das dauert Wochen”.

Ich habe es auf jeden Fall immer als sinnvoller empfunden regelmäßig im Laufe eines Jahres informelle Gespräche zu führen in einer lockereren Atmosphäre und vor allem ohne Druck, Regeln und Vorgaben zu machen.

Wir kommen um das Ritual aber nicht herum. Also mach das Beste draus. Nutze das Gespräch um Dich zu positionieren und um weiterzukommen. Also wenn Du in Deinem Unternehmen weiter kommen willst und erfolgreich sein willst dann gehe mal die folgenden Vorschläge zur erfolgreichen Durchführung der alljährlichen Jahresgespräche durch.

Wenn richtig vorbereitet kann das Jahresgespräch sehr aufschlussreich und hilfreich sein um sich für das kommende Jahr gut aufzustellen.

Und denk dran! Das Jahresgespräch soll kein einseitiger Redeschwall von Deinem/r ChefIn sein, den Du Dir reinziehst. Kein Monolog sondern ein Dialog bei dem auch Du etwas zu sagen hast. Auch Du solltest “Deine Seite” darstellen und Dich positionieren. Bildlich gesprochen sitzt Ihr beide auf den gleichen Sesseln, nicht einer auf einem Thron und der andere auf einem kleinen Hocker! Nur ist Vorbereitung besser als blind hereinzulaufen.

Und hierfür schaut Euch meine Tips an.

Eines ist mir da noch sehr wichtig, das betone ich!!:

Ihr macht die folgenden Punkte so wie es zu Euch passt, wie es zu Eurer Art passt. Wenn Ihr ruhiger seid z.B braucht Ihr nicht plötzlich möchte gern-mässig auf den Putz hauen.

Es geht mir nur darum dass Ihr Euch bewusst macht was Ihr alles geleistet habt und beigetragen habt und mit diesem Gefühl und diesem “Selbst-bewusstsein” in das Gespräch geht.
 

  • Informieren. Wenn Du neu im Unternehmen bist solltest Du Dich bei Deinem Vorgesetzten oder der HR Abteilung informieren wie die Jahresgespräche durchgeführt werden, worauf zu achten ist oder was von Dir erwartet wird. Wenn Du schon länger im Unternehmen bist informiere Dich ob alles beim Alten ist oder es Neuerungen gibt die Du wissen musst.

 

  • Du solltest Dir in jedem Fall vorher Zeit nehmen und eine eigene ehrliche Beurteilung Deiner Leistungen erstellen (self-assessment). Überlege Dir welche Ziele du erreicht oder sogar übererfüllt hast und welche Du nicht erreicht hast. Auch die besten Mitarbeiter können sich noch weiterentwickeln. Welche Bereiche Deiner Leistung möchtest Du im kommenden Jahr verbessern. Vielleicht wäre auch eine Weiterbildung sinnvoll?!

 

Es wird Zeit Deine “Prahl-Liste” zu erstellen!

  • Hast Du mehr Verantwortung übernommen? Wo hast Du Deine Ziele übertroffen? Hast Du grössere Projekte übernommen und/oder massgeblich zum Erfolg dieser beigetragen? Hast Du erfolgreich grosse Kunden an Land gezogen die noch viel Umsatz-Potential darstellen. Setz Dich in Ruhe hin, überleg und schreib Dir das auf! Nimm Deine Liste in Dein Gespräch mit.

 

  • Was hat sich seit dem letzten Gespräch verändert? Bist Du befördert worden? Hattest Du einen Chefwechsel oder eine neue Verantwortung übernommen? Hast Du Dich auf eine Weiterentwicklung in einem bestimmten fachlichen Bereich fokussiert? Lese die Kommentare Deines letzten Gespräches genau durch und vergleiche sie mit deinen Leistungen im vergangenen Jahr.

 

  • Wo soll die Reise im kommenden Jahr hingehen? Überlege Dir genau was Du im kommenden Jahr erreichen willst. Welche Tools, Weiterentwicklung, Erfahrungen und Weiterbildung brauchst Du um diese selbstgesteckten Ziele zu erreichen. Benütze diese Dinge um Deinen Entwicklungsplan mit Deinem Chef zu besprechen.

 

  • Lass das letzte Jahr nochmal Revue passieren. Wenn Du Dich auf die Verbesserung einiger Deiner Fähigkeiten im letzten Jahr konzentriert hast dann solltest Du auch nachfragen ob dies bemerkt wurde und wie dies zu den Zielen Deiner Abteilung oder den Firmenzielen beiträgt.

 

  • Überlege Dir im Vorfeld Themen die Du besprechen möchtest und gehe diese proaktiv im Gespräch an. Hier kommt die “Prahl-Liste” zum Einsatz :) GANZ WICHTIG: Wenn Du vor hast aus dem Jahresgespräch eine Gehaltsverhandlung zu machen dann überlege Dir dies bitte noch mal. Im Normalfall gibt es hierfür andere und bessere Gelegenheiten!! Refer!!!!!!!!!!!!

 

  • Bereite Dich darauf vor ein paar harte Wahrheiten zu schlucken. Sehen wir es mal so, Du solltest mit einer offenen Einstellung in das Gespräch gehen. Sei bereit Dich im Gespräch mal zu zwicken ;) Contenance meine Lieben. Konstruktive Kritik ist einer der besten Fähigkeiten die Dein Chef drauf haben sollte! Aber nur wenn Du dieses auch ernst nimmst. Sieh Fehler als Möglichkeit Dich zu verbessern und weiterzuentwickeln! Dann kannst Du daraus lernen oder? Aber sitz nicht da wie ein geprügelter Hund! Das ist überhaupt nicht nötig, denn Fehler macht jeder! Es geht einzig und allein darum daraus zu lernen und zu verstehen was der Fehler war. Thats it!

 

  • Achte auf Deine Körperhaltung! Sacke nicht in Dir zusammen sondern sitze gerade da. Ewig hält man das nicht durch und zu lange wirkt das auch wieder steif. Daher wechsle die Positionen: mal lehnst Du Dich zurück an die Lehne, mal kommst wieder vor, dann setzt Du Dich wieder aufrecht hin, dann kannst Du auch mal locker dasitzen. So wie man es ohne nachzudenken auch tun würde, Abwechslung tut gut! Aber achte darauf dass Du Dich nicht dauernd “klein machst”!

That’s it folks. Ich wünsche Euch viel Erfolg und hinterläßt Eure Kommentare über wie es Euch erging oder wie Ihr diese Gespräche empfindet oder auch gemeistert habt. Ich bin Neugierig!